Anlage SZ
Anlage SZ: wann Schuldzinsen in der EÜR nicht abziehbar sind
Zinsen für betriebliche Kredite sind Betriebsausgaben — aber nicht unbegrenzt. Wer als Einzelunternehmer mehr entnimmt, als Gewinn und Einlagen hergeben, muss einen Teil seiner Schuldzinsen dem Gewinn wieder hinzurechnen. Diese Seite erklärt, wann die Anlage SZ nötig wird, wie die Rechnung nach § 4 Abs. 4a EStG funktioniert und was die Vorjahreswerte damit zu tun haben.
Stand: 2026-10-15
Der Gedanke hinter § 4 Abs. 4a EStG
Ein Unternehmer, der mehr Geld aus dem Betrieb nimmt, als dieser erwirtschaftet, finanziert sein Privatleben letztlich mit betrieblichen Krediten. Die Zinsen dafür sollen nicht den Gewinn mindern. Statt jeden Kredit einzeln zu prüfen, typisiert § 4 Abs. 4a EStG: Übersteigen die Entnahmen die Summe aus Gewinn und Einlagen, liegt eine Überentnahme vor, und 6 % davon gelten als nicht abziehbare Schuldzinsen.
Zwei Entlastungen sind eingebaut. Zinsen für Darlehen, mit denen Anlagegüter angeschafft oder hergestellt wurden, bleiben nach § 4 Abs. 4a Satz 5 EStG unberührt. Und von den übrigen Schuldzinsen sind 2.050 € im Jahr immer abziehbar, denn die Hinzurechnung ist auf die um 2.050 € verminderten Schuldzinsen begrenzt. Wer nur einen kleinen Kontokorrentkredit hat, ist deshalb nicht betroffen.
Nach § 4 Abs. 4a Satz 6 EStG gilt das alles auch in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Deshalb müssen Einzelunternehmer Entnahmen und Einlagen gesondert aufzeichnen und in der Anlage EÜR angeben — auch in Jahren ohne Schuldzinsen, weil die Werte in spätere Jahre fortgeschrieben werden.
Wann die Anlage SZ nötig ist
- Sie sind Einzelunternehmer und ermitteln den Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
- Ihre übrigen Schuldzinsen übersteigen 2.050 € im Wirtschaftsjahr. Dazu zählen Zinsen für Kontokorrent und Dispositionskredit, Zinsen für Betriebsmittelkredite und Zinsen zur Umsatzsteuer.
- Nicht mitgerechnet werden Zinsen für gesondert aufgenommene Darlehen zur Finanzierung von Anlagegütern; sie stehen in einer eigenen Zeile der Anlage EÜR (2025: Zeile 55, 2026: Zeile 56).
- Zinsen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören zu den Arbeitszimmerkosten, nicht hierher.
- Für GbR und Partnerschaftsgesellschaften gibt es keine Anlage SZ. Die nicht abziehbaren Schuldzinsen werden dort je Gesellschafter in der Feststellungserklärung ermittelt.
Die Rechnung in der Anlage SZ
Die Anlage SZ hat vier Rechenblöcke. Die Zeilennummern sind 2025 und 2026 gleich, nur die Verweise auf die Anlage EÜR verschieben sich.
Der Entnahmenüberschuss als zweite Obergrenze sorgt dafür, dass Verluste die Hinzurechnung nicht unbegrenzt erhöhen: Nach der amtlichen Anleitung und dem BMF-Schreiben vom 2. November 2018 sind höchstens 6 % des kumulierten Entnahmenüberschusses anzusetzen. Hat es im Vorjahr keine Anlage SZ gegeben, müssen die Vortragswerte aus den früheren Jahren ermittelt werden.
| Zeilen der Anlage SZ | Inhalt |
|---|---|
| 5 bis 11 | Maßgeblicher Gewinn: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben, korrigiert um steuerfreie Gewinne, nicht abziehbare Betriebsausgaben und Sonderfälle wie Veräußerungsgewinne |
| 12 bis 15 | Über- oder Unterentnahme des Jahres: Entnahmen minus Gewinn (bzw. plus Verlust) minus Einlagen |
| 16 bis 17 | Kumulierte Über- oder Unterentnahmen: Wert des Jahres plus Vortrag aus der Anlage SZ des Vorjahres |
| 18 bis 24 | Kumulierter Entnahmenüberschuss: alle Entnahmen minus alle Einlagen, jeweils mit Vortrag aus dem Vorjahr |
| 25 | 6 % des niedrigeren Betrags aus kumulierter Überentnahme und kumuliertem Entnahmenüberschuss; bei negativen Werten 0 |
| 26 bis 29 | Höchstbetrag: übrige Schuldzinsen minus 2.050 €; bei negativem Ergebnis 0 |
| 30 | Hinzurechnungsbetrag: der niedrigere Wert aus Zeile 25 und Zeile 29, Übertrag in die Anlage EÜR (2025: Zeile 96, 2026: Zeile 97) |
Rechenbeispiel mit zwei Jahren
Erfundene Zahlen eines Einzelunternehmers, der seinen Betrieb Anfang 2024 eröffnet hat und einen Kontokorrentkredit nutzt.
2024 lagen die übrigen Schuldzinsen unter 2.050 €, eine Anlage SZ war nicht nötig. Die Überentnahme von 10.000 € und die Entnahmen von 40.000 € werden trotzdem fortgeschrieben, denn 2025 braucht die Anlage SZ genau diese Vortragswerte. 2025 sind 6 % von 22.000 € gleich 1.320 € nicht abziehbar; der Höchstbetrag von 1.750 € greift nicht. Der steuerpflichtige Gewinn steigt von 35.000 € auf 36.320 €.
Anders sähe es aus, wenn 2025 ein Verlust angefallen wäre: Ein Verlust erhöht rechnerisch die Überentnahme, die zweite Grenze — 6 % des Entnahmenüberschusses — verhindert aber, dass mehr hinzugerechnet wird, als den tatsächlichen Entnahmen ohne Gegenfinanzierung durch Einlagen entspricht.
| Schritt | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Maßgeblicher Gewinn | 30.000 € | 35.000 € |
| Entnahmen | 40.000 € | 48.000 € |
| Einlagen | 0 € | 1.000 € |
| Überentnahme des Jahres (Entnahmen minus Gewinn minus Einlagen) | 10.000 € | 12.000 € |
| Kumulierte Überentnahme | 10.000 € | 22.000 € |
| Kumulierte Entnahmen minus kumulierte Einlagen (Entnahmenüberschuss) | 40.000 € | 87.000 € |
| 6 % des niedrigeren Betrags | — | 1.320 € |
| Übrige Schuldzinsen | 1.900 € | 3.800 € |
| Höchstbetrag (Schuldzinsen minus 2.050 €) | 0 € | 1.750 € |
| Hinzurechnung in der Anlage EÜR | 0 € (Anlage SZ nicht nötig) | 1.320 € |
Was als Entnahme und Einlage zählt
Entnahmen sind alle Werte, die Sie für private Zwecke aus dem Betrieb nehmen: Überweisungen auf das Privatkonto, Barabhebungen aus der Kasse, private Zahlungen vom Geschäftskonto wie Krankenversicherung oder Einkommensteuer, aber auch Sach- und Nutzungsentnahmen wie die private Kfz-Nutzung. Einlagen sind umgekehrt private Mittel, die in den Betrieb fließen, etwa eine Einzahlung vom Privatkonto oder eine betriebliche Rechnung, die Sie privat bezahlt haben.
Ohne eigenes Geschäftskonto wird es unübersichtlich: Die amtliche Anleitung behandelt dann sämtliche Betriebseinnahmen zugleich als Entnahmen und sämtliche Betriebsausgaben als Einlagen. Ein getrenntes Konto ist deshalb schon wegen der Anlage SZ sinnvoll. Kurzfristige Ein- und Auszahlungen rund um den Jahreswechsel, die nur die Hinzurechnung vermeiden sollen, können als missbräuchliche Gestaltung nach § 42 AO beanstandet werden.
So geht es mit euer.io
- 6-%-Regel, Entnahmenüberschuss als zweite Grenze und Höchstbetrag nach Abzug von 2.050 €
- Hat das Modul im Vorjahr eine vollständige Anlage SZ gerechnet, übernimmt es die Vortragswerte automatisch; sonst bestätigen Sie sie
- Entnahmen und Einlagen als Vorschlag aus den Privatkonten, als Pflichtangabe für natürliche Personen
- 99 € pro Monat je Arbeitsbereich, 7 Tage kostenlos testen
Übersteigen die übrigen Schuldzinsen 2.050 €, verlangt euer.io die Anlage SZ samt den Vorjahreswerten des Vordrucks und rechnet daraus den Hinzurechnungsbetrag nach § 4 Abs. 4a EStG.
Häufige Fragen
Wann muss ich die Anlage SZ ausfüllen?
Als Einzelunternehmer mit EÜR, sobald die übrigen Schuldzinsen des Jahres 2.050 € übersteigen. Zinsen für Darlehen, mit denen Sie Anlagegüter finanziert haben, zählen dabei nicht mit. Liegen die übrigen Schuldzinsen darunter, entfällt die Anlage SZ, die Entnahmen und Einlagen geben Sie aber trotzdem in der Anlage EÜR an.
Was ist eine Überentnahme?
Der Betrag, um den Ihre Entnahmen eines Jahres die Summe aus Gewinn und Einlagen übersteigen. Ist es umgekehrt, spricht man von Unterentnahme; sie wird mit Überentnahmen anderer Jahre verrechnet. In der Anlage SZ zählt die kumulierte Summe über die Jahre.
Gehören die Zinsen für den Firmenwagen-Kredit in die Anlage SZ?
Nein, wenn es ein gesondert aufgenommenes Darlehen zur Finanzierung des Fahrzeugs als Anlagegut ist. Diese Zinsen tragen Sie in die Zeile für Schuldzinsen zur Finanzierung von Anlagevermögen ein (2025: Zeile 55, 2026: Zeile 56); sie sind ohne Begrenzung nach § 4 Abs. 4a EStG abziehbar.
Woher bekomme ich die Vorjahreswerte für die Anlage SZ?
Aus Zeile 17, Zeile 20 und Zeile 23 der Anlage SZ des Vorjahres. Gab es im Vorjahr keine Anlage SZ, weil die Schuldzinsen unter 2.050 € lagen, müssen Sie die kumulierten Werte aus den Entnahmen, Einlagen und Gewinnen der früheren Jahre selbst ermitteln.
Gilt die Anlage SZ auch für eine GbR?
Nein. Bei Personengesellschaften werden die nicht abziehbaren Schuldzinsen gesellschafterbezogen ermittelt, also für jeden Beteiligten gesondert im Rahmen der Feststellungserklärung. Die Anlage SZ ist ausdrücklich für Einzelunternehmen bestimmt.
Kann ich die Hinzurechnung mit einer Einlage am Jahresende vermeiden?
Eine echte Einlage mindert die Überentnahme. Wer aber Geld nur kurz vor dem Jahreswechsel einlegt und es Anfang Januar wieder entnimmt, riskiert, dass das Finanzamt dies als Gestaltungsmissbrauch wertet. Dauerhaft wirkt nur, die Entnahmen an Gewinn und Einlagen auszurichten.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 4 EStG — § 4 Abs. 4a: Überentnahmen, 6 %, 2.050 €, Investitionsdarlehen, Anwendung in der EÜR
- BMF-Schreiben vom 1. September 2026: Anlage EÜR 2026 — Vordruck und Anleitung zur Anlage SZ, Verweis auf BMF-Schreiben vom 02.11.2018
- BMF-Schreiben vom 29. August 2025: Anlage EÜR 2025 — Anlage SZ 2025 mit Übertrag in Zeile 96
- § 42 AO — Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten
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